Kun-Tai-Ko (kurz KTK) wurde 1957 in Paris durch Lucien V. Ott gegründet, einem in dieser Zeit sehr hochrangigen Meister der verschiedenen Kampfkünste.


Er wurde 21.12.1931 geboren und wuchs im Umfeld der Fremdenlegion auf. Sein Großvater wurde im 1. Weltkrieg im Kampf um die Dardanellen getötet, während Ott’s Vater sich in Spahi einer algerischen Kavallerie der französischen Armee anschloss und dort der französischen Fremdenlegion diente. 
Ott leistete seinen Dienst in der elitären Einheit "Chasseurs d´Afrique". Er wurde später zum NCO des 1. Kavallerie Regiments der Fremdenlegion befördert. Verwundet in den "Riff-Kriegen", wurde er in Frühpension geschickt.
Lucien hat anschließend im neu gebildeten französischen Para-Commando gedient und sich der 2nd Demi-Brigade SAS in Indochina angeschlossen, das damals dem 8.BCCP unter Col. Bigeard unterstand. Er hat sich freiwillig zu den Fallschirmjägern gemeldet, wo viele seiner Kameraden in Dien Bien Phu gefallen sind und er verwundet wurde. Dabei wurde er durch die Viet Minh (Liga für die Unabhängigkeit des Vietnam) gefangen genommen. Er konnte fliehen und hat sich der GCMA (französische Sondereinheit die aufgestellt wurde, um eigene Kräfte hinter den "feindlichen" Linien abzusetzen) angeschlossen.



Nach dem Krieg wechselte er zum "Deuxieme Bureau" (fränzösischer Geheimdienst). In Marseille brachte ihn sein Feund Jim Alcheik (ebenfalls französischer Geheimdienst) zu Karate und Aiki Ju Jutsu und der Yoseikan Schule unter Tetsuji Murakami. Murakami und Ott freundeten sich an und es entstand in den kommenden Monaten die Idee, eine eigene Stilrichtung zu erschaffen. Durch Ott´s Wissen des taktischen Militäreinsatzes, der praktischen Nahkampfausbildung sowie der Kampfkünste entstand Kun-Tai-Ko. Er wollte aber nicht nur Effektivität in dieser Stilrichtung, sondern auch die Künste, die Philosophie und Ethik einbringen. Damit war KTK wie geschaffen für Personen, die sowohl die harte und kompromisslose Selbstverteidigung ohne Schnörkel und Pardon wollten, als auch für Anhänger der asiatischen Traditionen mit all seinen Verwurzelungen und Prinzipien. Warum nannte er seinen Stil gerade KTK? Warum diese Bedeutung „Mächtiger kleiner Körper“? Es drückt den Grundgedanken von Lucien Victor Ott aus, sich in einer Notsituation auch mit einem schwachen Körper kräftig und effektiv zur Wehr setzen zu können. Bei KTK handelt es sich um eine Wortkombination, die nicht alleine japanisch ist. Es ist eine Mischung aus chinesisch und japanisch / okinawesisch. Dazu zog er das Wissen alter Chinesen zu Rate. Die rein japanische Übersetzung wäre Jaku-Hai-Kyu. Er benutzte das Hexagramm Nr. 2 des Yin (gleichbedeutend mit Kun - weich) und das Hexagramm Nr. 28 DaGuo (über ein Ziel hinaus schießen - mit einer großen Kraft oder Kraft).

In 1956 wurde er mit damit betraut, Methoden für französische Militär VIP’s zu entwickeln. Seine Prüfung hat ergeben, dass die Methoden die bei internationalen Personenschützern angewandt wurden, unwirksam und veraltet waren. Von da an hat Ott ein eigenes Konzept entwickelt und nannte es 'Defence & Security'. Im Jahr 1957 gründet er nach einer großen Expertendebatte die International Bodyguard Association. Lucien kämpfte gegen Terrorismus in Algerien, bis er von Minister Tinet ausgewählt wurde, als persönlicher Bodyguard für den franz. Staatspräsidenten Charles de Gaulle zu arbeiten und eine Eliteeinheit aufzubauen, die höchste Priorität während der damaligen Kubakrise  bekam. Unter der Autorität und Aufsicht von General de Monssabert wurde eine Gruppe von Veteranen aus Spezialeinheiten herangezogen, aus denen die Elitetruppe "Les Gorilles" formiert wurde. Als Pompidou den damaligen Staatspräsidenten Charles De Gaulle abgelöst hat, bekam die Einheit 'Les Gorilles' die Option der Auflösung oder der Integration in die Gendarmerie.

Beständige Abwesenheit von seiner Familie während des Dienstes führte zur Trennung undanschließender Scheidung von seiner Frau und seinen zwei Kindern Veronique und Didier. Lucien ging nach München, wo er sich als Stuntman und Double versuchte. In München eröffnete er eine Schule für Stuntmen und Laiendarsteller. Es dauerte jedoch nicht lange, bis Lucien als Bodyguard in die Welt des Showbiz einzog. Hinzu kam jetzt noch die enorme Nachfrage von Militär-, Polizei- und Sicherheitseinheiten, die ihn als Ausbilder wollten. Mitte der siebziger Jahre ging er wieder zurück nach Brüssel, um dort seine eigene Schule „Defence & Security' in der Rue de l’Etoile in Uccle zu eröffnen. Von dort aus hat er an der Königlich Belgischen Polizeiakademie ausgebildet und war sehr schnell bei allen anderen belgischen Militär-, Sicherheits-, Polizeieinheiten und Kampfsportvereinigungen bekannt und geachtet. Während Lucien Ott in München war, hat er eine Schule in einem kleinen Appartement im Gebiet um Schwabing gegründet. Dort traf er auch seinen ersten Schüler, um ihm sein Wissen zu vermitteln. Sein Name war Walter Obermayer ( Obermayer hat später den Namen seiner Frau - Smigielski- übernommen). 

In Brannenburg nähe Rosenheim, eröffnete Ott in der "Wendelstein Halle" sein zweites Dojo in Deutschland. Nach etwas mehr als einem Jahr musste er Deutschland wieder verlassen, um nach Drogenbos bei Brüssel zu gehen. In Brannenburg hatte er einen weiteren Schüler, Norbert W. Punzet. Punzet, und Anfangs auch Smigielski, hat jede Chance genutzt, mit Lucien in Brüssel zu trainieren. Dort absolvierte Punzet seine Prüfung zum 2. Dan Kun-Tai-Ko. Er war verantwortlich für das große Wachstum von KTK in Belgien, Deutschland, Irland, der Schweiz, Liechtenstein, Vereinigten Staaten, Türkei, Spanien und einigen anderen Ländern.

Ott wurde in den offiziellen Ausschuss der Direktoren der World Ju-Jutsu Federation mit der Funktion des Vizepräsidenten für Deutschland und des Präsidenten für Belgien gerufen. Sein letztes großes Projekt, bevor er gestorben ist, war die Mitorganisation der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona / Spanien. Dort war er im Sicherheitsrat als Berater tätig.

Im Dezember 1989 wurde Lucien mit Krebs im letzten Stadium diagnostiziert und im "Erasmus Institut" in Anderlecht eingeliefert, wo er am 10. Februar 1990 verstorben ist.. Es war der Wunsch von Lucien Ott, dass sich James G. Shortt um die Belange des KTK sowie der IBA kümmern sollte. Jedoch konnte James G. Shortt, der im Bereich IBA schon sehr in die Fußstapfen von Lucien war, seiner Bitte nach der Leitung des KTK nicht nachkommen. So trat an diese Stelle Jim Van de Wielle aus Antwerpen/Belgien.

Seit 1993 gibt es zwei Verbände, die das Werk von Soke Ott  weiterführen.

Die "World Kun-Tai-Ko Budo Association" (WKBA) unter Shihan Jim Van de Wielle und die "Kun-Tai-Ko International Association of Budo" (KIAB) unter Soke Alfred Kleinschwärzer, ebenfalls einem Schüler von Ott.

Soke Lucien Victor Ott wurde posthum der 10.Dan Kun-Tai-Ko verliehen. Damit, und seinen weiteren Graduierungen in Jiu-Jitsu, Karate und Judo, war er einer der höchstdekorierten Budoka Europas.

Beerdigung von  Lucien Victor Ott 10. Febr. 1990 v.links:

 

A.Bernard (D), G.Kurth (D), F.Kleinschwärzer (D), J. G. Shortt (GB)

(Quelle:Kun-Tai-Ko International Association of Budo)